Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

Brustkrebs: Infos für Ärzte

Senologie-Update 2014

Tamoxifen für 10 Jahre - für wen?

Urs Breitenstein, Zürich

 

Die Basis der adjuvanten Behandlung des hormonsensitiven Mamakarzinoms ist eine mehrjährige antihormonelle Behandlung. Die NSABP-14 Studienresultate (n=1166) aus dem Jahr 2001 zeigten, dass eine 10 vs 5 Jahre Tamoxifentherapie nicht besser abschnitt, und definierten die Dauer der adjuvanten Tamoxifentherapie auf 5 Jahre. Die Overview-Daten der EBCTG zeigen, dass eine 5-jährige adjuvante Tamoxifentherapie die Rückfallrate deutlich senken kann (Risikoreduktion 47 % bis zum 5. Jahr und zusätzliche 32 % durch einen carry over-Effekt zwischen den Jahren 5-9). Dies führt zu einer signifikanten Brustkrebsmortalitätsreduktion mit einem absoluten Gesamtgewinn vom 9.1 % bis zum Jahr 15.

 

Die 5-Jahresgrenze der adjuvanten Hormontherapiedauer wurde erstmals durch die Aromatasehemmer-Studiendaten, insbesondere durch die MA-17 Studie, gesprengt. Eine um 5 Jahre verlängerte Aromatasehemmer-behandlung (extended adjuvant treatment) nach einer 5-jährigen Tamoxifentherapie führt zu einer signifikanten Rezidivrisikoreduktion, vor allem im nodal positiven Patientenkollektiv. Endgültig wird nun die ominöse 5 Jahres-Therapiedauer durch die Daten der beiden randomisierten Studien ATLAS und aTTom (5 Jahre versus 10 Jahre Tamoxifen) zu Fall gebracht. Beide Studien, welche auf Daten von insgesamt 18'599 prä- und postmenopausalen Mammakarzinompatientinnen beruhen, zeigen ein signifikant besseres Abschneiden einer 10-jährigen gegenüber einer 5-jährigen Tamoxifentherapie.

 

Obwohl die Rückfall- und Mortalitätsrate beider Studienarme bis zum Jahr 10 nicht auseinanderdriften, entsteht nach einer weiteren Verlaufsbeobachtungszeit bis zum Jahr 15 ein signifikanter Unterschied sowohl in der Rezidivrate (25.1 % vs 21.4 %), als auch in der Brustkrebsmortalität (15 % vs 12.2 %) zu Gunsten der 10-jährigen Tamoxifentherapiedauer. Der Gewinn entsteht in allen Subgruppen, ungeachtet ihres Ausgangsrezidivrisikos und Alters. Gebüsst wird dieser relevante Profit durch eine erhebliche Steigerung an gefährlichen Komplikationen, vorab in der Inzidenz von Endometriumkarzinomen und thromboembolischen Ereignissen mit einer kumulierten Sterblichkeit vom 0.4 %, was einer Verdoppelung der Mortalitätsrate entspricht.

 

Ungeachtet der Signifikanz der ATLAS- und aTTOM Daten muss die Indikationsstellung für eine 10-jährige Tamoxifen-Therapie kritisch beleuchtet werden. In Anbetracht von subjektiv störenden Nebenwirkungen, einer relevant gefährdenden Komplikationsrate sowie dem spät einsetzenden absoluten Gewinn gilt es das Alter, die Komorbidität und das absolute Rezidivrisiko der Patientin zu analysieren, bevor die adjuvante Hormontherapie um 5 Jahre verlängert wird.

 

Viele Fragen bleiben offen, insbesondere für Patientinnen, welche adjuvant mit einem Aromatasehemmer behandelt worden sind.

Verbesserte Rezidivrisikoabwägungs-Tools (genetische Tests) könnten helfen, die Patientengruppe besser zu definieren, welche für ein Spätrezidiv gefährdet ist und damit von einer längeren adjuvanten Hormontherapie besonders profitieren könnte.

 

Studienvergleich Tamoxifen 10 Jahre

 

 

Video des Vortrags, aufgenommen von oncoletter.ch am Senologie-Update 2014:

 

 

Dr. med. Urs Breitenstein

Brust-Zentrum, Seefeldstr. 214, CH-8008 Zürich

www.brust-zentrum.ch

Herzlichen Dank für den Vortrag!

Erika Rusterholz